earth
FOCUS online Earth widmet sich der Klimakrise und ihrer Bewältigung.
Faktenzentriert. Fundiert. Konstruktiv. Jeden Freitag als Newsletter.
Rechtstext wird geladen...
Schwarze Teilchen im grauen Asphalt
„Ecoflakes“ heißt das Mittel, das beide Probleme auf einmal angehen will – die zerbröselnden Straßen und der sich auftürmende Plastikmüll. Dabei handelt es sich um graue und schwarze Mini-Teilchen, die aus zerkleinertem Verpackungsmüll bestehen, der ansonsten nicht mehr recycelt werden könnte. Im Asphaltmischwerk werden diese Plastikteilchen dann dem Bitumen beigemischt, dem schwarzen dickflüssigen Kleber aus Erdöl, der die Straße zusammenhält.
Mehr aus dem Bereich Report
Meistgelesene Artikel der Woche
Die „Ecoflakes“ sollen die klimafreundlichere Alternative darstellen zu den neuen Kunststoffen, die bislang beigemischt worden waren. Und: Sie sollen sogar günstiger und länger haltbar sein. „Worauf ich wirklich stolz bin, ist dass wir eine nachhaltige Lösung auch in vielen Fällen wirtschaftlicher anbieten können“, sagt Zitzmann.
Der Endgegner-Satz
Plastikmüll in deutschen Straßen? Die „Ecopals“ waren nicht die ersten mit dieser Idee. Bislang scheiterte diese Idee jedoch an der Praxis – und am deutschen Straßenbaurecht. Bei Beton gibt es klare Zulassungsverfahren für neue, klimafreundliche Innovationen. Im Straßenbau nicht – dort gilt ein Satz, für Startups oft zum Endgegner wird: „Es müssen nachweislich ausreichend positive Erfahrungen vorliegen."
Wie diese „nachweislich ausreichend positiven Erfahrungen" definiert sein sollen, weiß jedoch niemand. Vor allem kleinere Kommunen, erzählt Varga, würden die Entscheidung dann lieber ans jeweilige Bundesland delegieren. „Das Land sagt dann im Zweifel auch, das muss der Bund entscheiden, und der Bund sagt: Wir sind da auch nicht zuständig.”
Ecopals hatte Glück: Ein Asphalthersteller stellte seinen Bauhof für erste Tests zur Verfügung, im Anschluss ließen sich erste Kommunen überzeugen, ihre Straßen mit den „Ecoflakes" zu versehen. „Man ist immer auf den guten Willen vieler Leute angewiesen", sagt Zitzmann. "Das echte Leben ist immer etwas anderes als das Labor. Natürlich waren wir darauf angewiesen, uns in der Praxis zu beweisen und Ergebnisse zu validieren."
„Wir könnten deutlich bessere Straßen bauen”
Jetzt also der große Praxistest auf der Autobahn. Sollte der positiv ausfallen, schielen die Ecopals schon ins Ausland – dort sei das Straßenbaurecht nicht so streng wie in Deutschland. „Ich kenne Konzerne mit Milliardenumsatz, die sagen: Wir haben Deutschland komplett fallen gelassen", erzählt Varga. „Die sagen: Wir gehen nur noch ins Ausland, denn in Deutschland kommen wir nicht rein - und im Ausland haben wir vor einem Jahr eine Strecke gebaut.” Das Fazit des Gründers: „Wir könnten deutlich bessere Straßen bauen. Wir machen es aber nicht.”
Vielleicht ändert sich das ja bald: Union und SPD haben sich in ihren Sondierungsgesprächen auf ein großes Infrastruktur-Paket in Höhe von 500 Milliarden Euro geeinigt. Ein großer Kuchen, von dem sich auch der Straßenbau ein kleines Stück erhofft. „Man kann natürlich viel über die Straße diskutieren und über ihre Klima-Auswirkungen", sagt Varga. „Aber wir sind absolut auf sie angewiesen, und das auch noch über Jahrzehnte. Und daher müssen wir uns darüber Gedanken machen: Wie können wir Straßen nachhaltiger bauen und sanieren?”
+++ Keine Klima-News mehr verpassen - abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal +++