Dieses riesige Projekt entscheidet jetzt über Deutschlands Wasserstoff-Zukunft

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Wasserstoff: Grün statt Grau

Die Unternehmen sprachen in der Mitteilung von einem „Signalcharakter“ für den deutschen Markt, weil Kraftstoffanbieter wie Raffinerien aufgefordert seien, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Der Einsatz von 30.000 Tonnen grünen Wasserstoffs in einer Raffinerie spare jährlich 300.000 Tonnen CO2 ein. „So viel stoßen rund 140.000 Pkws durchschnittlich pro Jahr aus“, hieß es.

Tatsächlich stammt der bislang von Raffinerien verwendete Wasserstoff überwiegend aus fossilem Erdgas, was hohe CO2-Emissionen verursacht. TotalEnergies benötige erhebliche Mengen grünen Wasserstoffs, um ihre Raffinerien in Europa zu dekarbonisieren, hieß es. „Dafür hat das Unternehmen europaweit 500.000 Tonnen pro Jahr ausgeschrieben.“

Weit entfernt vom großen Ziel

Mit den 300 Megawatt Kapazität wäre das Projekt in Lingen das bislang größte seiner Art. Die Produktion von grünem Wasserstoff steckt in Deutschland nämlich noch in den Kinderschuhen: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) aus dem November seien in Deutschland bislang Fertigungsanlagen mit einer Kapazität von 112 Megawatt in Betrieb. Dabei hat sich die Bundesregierung ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Zehn Gigawatt (GW) Kapazität sollen es bis 2030 sein, oder umgerechnet 10.000 Megawatt.

Davon ist Deutschland jetzt, Anfang 2025, noch weit entfernt. Zwar befinden sich nach einer Analyse des Energieversorgers Eon und des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) Köln derzeit Wasserstoff-Projekte im Umfang von 11,3 Gigawatt in der Pipeline. Doch ob diese Projekte am Ende auch das Licht der Welt erblicken werden, weiß derzeit noch niemand. Denn nur für circa neun Prozent dieser Projekte steht schon eine finale Investitionsentscheidung, der Rest hängt in der Schwebe.

Das 45-Millionen-Euro-Problem

Die bisherige Bilanz ist miserabel. Erst diesen Januar zeigte eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), dass weltweit nur zehn Prozent aller im Jahr 2023 angekündigten Wasserstoff-Projekte am Ende auch realisiert wurden. Den Analysten von BloombergNEF zufolge seien im Jahr 2024 weltweit insgesamt 35 große Wasserstoff-Projekte abgebrochen worden – in den Jahren zuvor waren es nur sieben bzw. sechs. 

Die Marktbedingungen für grünen Wasserstoff haben sich verschlechtert. Die Kosten sind gestiegen, es braucht noch mehr grünen Strom, die Nachfrage ist kaum stabil. Und auch politisch betrachtet herrscht Unsicherheit, etwa was künftige Förderungen anbelangt und den rechtzeitigen Ausbau des Wasserstoff-Kernnetzes. Ein 20 Megawatt-Elektrolyseur, der 2.900 Tonnen Wasserstoff produziert, kostet rund 45 Millionen Euro – eine solche Investition will gut überlegt sein.

Wasserstoff: Keine Erwähnung mehr wert

Kein Wunder also, dass das Projekt von RWE und Total Energies in der Branche mit Spannung betrachtet wird. Falls auch das Lingener Vorzeige-Vorhaben ins Schlingern gerät, hat die Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland kaum noch eine Zukunft. Auch RWE selbst hatte seine Aktivitäten zuletzt zurückgefahren, einem Bericht des "Manager Magazins" zufolge kam es zu einem Stellenabbau im Unternehmensbereich für Wasserstoff.

Und: Aus der offiziellen Kommunikation des Unternehmens, wie viele Milliarden man in grüne Energie-Projekte investiere, war zuletzt nur noch die Rede von Solarenergie, Windkraft und Speichertechnologien. Wasserstoff-Projekte hingegen werden seit einigen Monaten nicht mehr erwähnt. 
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