Meistgelesene Artikel der Woche
earth
FOCUS online Earth widmet sich der Klimakrise und ihrer Bewältigung.
Faktenzentriert. Fundiert. Konstruktiv. Jeden Freitag als Newsletter.
Rechtstext wird geladen...
Der CO2-Hammer am Horizont
Ganz abgesehen von den drohenden Strafzahlungen an die EU wird der Preis für CO2-Emissionen auch in Deutschland in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen. Das Stichwort lautet: EU-Emissionsrechtehandel.
Bisher bestimmt die Bundesregierung, wie hoch der CO2-Preis in Deutschland ist, der zum Beispiel auf die Benzinpreise aufgeschlagen wird - derzeit liegt er bei 55 Euro pro Tonne. Ab dem 1. Januar 2027 geht der national organisierte Emissionshandel allerdings in den europäischen Handel (ETS II) über. Was klingt wie eine bürokratische Formalie, hat potenziell weitreichende Konsequenzen. Denn: Während der deutsche CO2-Preis gesetzlich vorgegeben ist, bestimmt im europäischen System ausschließlich der Markt den Preis.
Experten gehen daher davon aus, dass der CO2-Preis ab 2027 bei 200 bis 300 Euro liegen könnte. Das würde den Benzinpreis von heute auf morgen um 38 Cent bis zu einem Euro pro Liter verteuern. Völlig egal, ob das sogenannte „Verbrenner-Aus“ ab 2035 wieder abgeschafft wird oder nicht.
Heizgesetz einfach abschaffen?
Auch das ungeliebte Heizgesetz könnte die Union nicht einfach abschaffen. Die EU hat mehrere Richtlinien, die dafür sorgen, dass Deutschland ein Heizgesetz braucht, sei es die Gebäuderichtlinie zur Energieeffizienz, die Ökodesign-Richtlinie für Heizungen oder die Erneuerbare-Energien-Richtlinie für Gebäude. Am Ende ist der Spruch „Wärmegesetz abschaffen“ nicht mehr als ein Spruch. Das weiß auch Friedrich Merz. Die erste Fassung des Gebäudeenergiegesetzes wurde Ende 2019 verabschiedet - damals noch von der Großen Koalition aus Union und SPD. Das Gesetz setzte diverse europäische Richtlinien in deutsches Recht um.
Schwarz-Rot kommt also nicht drumherum: Im Verkehrs- und Gebäudesektor ist dringend Nachbesserung angesagt. Mehr Elektroautos müssen auf die Straßen, die Bahn muss günstiger und zuverlässiger werden. Doch das reicht nicht – es braucht eine klimaneutrale Wärmeplanung und die Förderung klimafreundlicher Heizsysteme. Und natürlich darf der soziale Ausgleich nicht fehlen: Das Klimageld wird entscheidend sein, um die Bevölkerung bei der Transformation mitzunehmen – und den Zorn der Bürger zu vermeiden.
Es gibt kein Zurück
Die Zeit der Ampel ist vorbei. Schwarz-Rot steht schon in den Startlöchern - aber auch die neue Koalition wird die gleichen Klimaziele verfolgen müssen wie ein Robert Habeck. Nur die Umsetzung dürfte anders aussehen.
Die Vorgaben aus Brüssel und das nationale Klimaschutzgesetz setzen klare Rahmenbedingungen. Rückschritte können zu Strafzahlungen führen - und dann wird es richtig teuer. Es gibt kein Zurück. Das weiß auch Klimakanzler Friedrich Merz.