„Eine neue Weltordnung“: Hedgefonds-Legende warnt vor drohender Schuldenkrise in USA

Dalio warnt nicht nur vor der drohenden Schuldenkrise der USA, sondern sieht auch Europa als Verlierer der sich verändernden Weltordnung.

„Die Welt befindet sich längst in einem großen, neuen Krieg“ 

Der prominente Investor mischt sich selten in politische Diskussionen ein. Er hat weder Donald Trump noch Kamala Harris im US-Wahlkampf unterstützt. Stattdessen konzentriert er sich auf die großen Herausforderungen, vor denen die Welt steht. Und die sind seiner Meinung nach gewaltig: „Die Welt befindet sich längst in einem großen, neuen Krieg“, sagt Dalio im Interview mit dem Handelsblatt. Er meint damit den sich zuspitzenden Konflikt zwischen den USA und China, der bereits am Rande einer militärischen Auseinandersetzung steht. Auch in den USA und in Europa sieht er Anzeichen für bürgerkriegsähnliche Zustände.

Dalio sieht die Welt am Beginn einer neuen Weltordnung, die vom „Gesetz des Dschungels“ beherrscht wird – einer Welt, in der die Starken die Schwachen dominieren. Europa sieht er dabei als großen Verlierer. „Die Gefahr einer globalen Schuldenkrise verschärft diese Situation zusätzlich“, warnt er. Vor allem die US-Staatsfinanzen bereiten ihm große Sorgen. Dalio sieht die USA am Rande eines Schuldenkollapses.

Die treibenden Kräfte der Geschichte

Um die aktuelle Situation zu verstehen, so Dalio, müsse man die Kräfte analysieren, die seit Jahrhunderten die globalen Entwicklungen bestimmen. Er sieht fünf zentrale Kräfte: den Schuldenzyklus, den politischen Zyklus, den geopolitischen Zyklus, Naturereignisse und den menschlichen Erfindungsreichtum, insbesondere im technologischen Bereich. Diese Kräfte wirken laut Dalio in einem großen Zyklus, der etwa alle 80 Jahre zu disruptiven Veränderungen und Krisen führt. Derzeit sieht er in allen fünf Bereichen massive Umbrüche, die von Experten bereits als Vorboten eines neuen großen Krieges interpretiert werden.

Mehr aus dem Bereich Wirtschafts-News

Anleger einer deutschen Immobilienfirma drohen hohe Verluste
Samstag, 08.03.2025 | 15:59
Millionen Menschen betroffen! Lufthansa baut Miles & More komplett um - was sich ändert
Samstag, 08.03.2025 | 07:46
Aus der Not nach Griechenland: „25 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kann keiner zahlen“
Samstag, 08.03.2025 | 07:30
Woher die 500 Milliarden für die Infrastruktur kommen – und wofür sie gebraucht werden
Freitag, 07.03.2025 | 20:27
„Die Deindustrialisierung in Deutschland ist in vollem Gange“
Freitag, 07.03.2025 | 16:31
Wohnmobilanbieter FreewayCamper ist insolvent - aber noch gibt es Hoffnung
Freitag, 07.03.2025 | 16:11
"NoBuy2025"-Challenge: Verbraucher in den USA planen radikalen Kaufstopp
Freitag, 07.03.2025 | 15:26
Diese sieben Konzepte werden mit einer schwarz-roten Koalition nicht umgesetzt
Freitag, 07.03.2025 | 15:18
Die große Vision eines deutschen Gründers: „Roboter könnten unsere Rente zahlen“
Freitag, 07.03.2025 | 11:16
Werden in Asien die Karten im Handelspoker neu gemischt?
Freitag, 07.03.2025 | 11:02

Meistgelesene Artikel der Woche

Polizei im Großeinsatz: Auto fährt in Mannheimer Innenstadt in Menschenmenge - mehrere Verletzte
Montag, 03.03.2025 | 13:33
In den USA flammt gerade ein gefährliches Alarmsignal für die Wirtschaft auf
Samstag, 01.03.2025 | 07:24
Plötzlich zeichnen sich beim Bürgergeld zwei signifikante Änderungen ab
Freitag, 07.03.2025 | 11:38
Der Held fällt: „Pandora Papers“ belasten Selenskyj – und machen ihn angreifbar
Samstag, 01.03.2025 | 11:12
Schauspiel-Legende: Gene Hackman und seine Frau tot aufgefunden
Freitag, 07.03.2025 | 22:58

Er zieht Parallelen zu den 1930er Jahren, als die Welt ebenfalls tief gespalten und von Konflikten geprägt war. „Das müssen die Deutschen und die Europäer sehen“, mahnt Dalio. Die Weltordnung bewege sich immer mehr in Richtung Unilateralismus, weg vom Multilateralismus, der die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg geprägt habe. „Diese Weltordnung ist vorbei“, stellt er nüchtern fest.

Die Spaltung der USA und das Dilemma Europas

Dalio weist auch auf die tiefe innenpolitische Spaltung in den USA hin. Die politischen Lager drifteten immer weiter auseinander, die Feindseligkeit zwischen den Parteien sei auf einem historischen Höchststand. „Die USA sind so gespalten wie seit 100 Jahren nicht mehr“, sagt er. Diese Spaltung sei nicht nur ein Problem der USA, sondern auch in Europa sichtbar.

Für Europa ist Dalio wenig optimistisch. „Europa ist schwach und gespalten und läuft Gefahr, im Machtspiel der Supermächte unterzugehen“, sagt er. Die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und den Erfindungsreichtum, den er in den USA sieht, vermisst er in Europa. Zudem spreche der Kontinent nicht mit einer Stimme und verliere dadurch zunehmend an globaler Relevanz.

Die Gefahr einer Schuldenkrise in den USA hat weitreichende globale Folgen, da die USA der größte Schuldner der Welt sind. dpa

Bedrohung durch die US-Schuldenkrise

Besonders besorgt ist Dalio über die Finanzlage der USA. Die Zinsen für die US-Schulden belaufen sich derzeit auf rund eine Billion Dollar pro Jahr. Diese Belastung könnte die US-Wirtschaft in naher Zukunft lähmen, so Dalio, ähnlich wie Plaque die Arterien im menschlichen Körper verstopft. „Wenn die Verschuldung im Verhältnis zum Einkommen steigt, werden die Ausgaben gekürzt und die Wirtschaft leidet“, erklärt er.

Die Gefahr einer Schuldenkrise in den USA hat weitreichende globale Folgen, da die USA der größte Schuldner der Welt sind. Dalio prognostiziert, dass eine solche Krise zu einer weltweiten Finanzkrise und einem enormen Vertrauensverlust führen könnte. Wenn die USA gezwungen sind, mehr Geld zu drucken, um ihre Schulden zu bedienen, drohen Währungsabwertungen und andere drastische Maßnahmen.

Herausforderungen für Deutschland

Deutschland mit seiner vergleichsweise niedrigen Verschuldung von rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts scheint auf den ersten Blick besser aufgestellt zu sein. Doch Dalio warnt, dass solide Finanzen allein nicht ausreichen. Deutschland fehle es an wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. „Selbst mit einer geringen Verschuldung können Nationen ihren Status in der Welt verlieren“, betont Dalio und fordert entschlossene Reformen.

Er sieht auch kulturelle Unterschiede zwischen Europa und den USA, die die Schwächen Europas verstärken. Während in den USA junge, innovative Unternehmer alte Strukturen aufbrechen und neue Technologien vorantreiben, fehle Europa diese Dynamik. „Europa ist hierarchischer organisiert und folgt alten Strukturen“, sagt Dalio. Diese starre Struktur behindere die kreative Zerstörung, die für den Innovationserfolg notwendig sei.

Der Ausblick: Eine Welt im Umbruch

Die Prognosen von Ray Dalio, der so investiert, zeichnen ein düsteres Bild für die kommenden Jahre. Eine drohende Schuldenkrise in den USA, gepaart mit geopolitischen Spannungen und inneren Konflikten, könnte die Weltordnung drastisch verändern. Europa, so Dalio im Handelsblatt-Interview, müsse dringend seine Hausaufgaben machen, um im globalen Machtspiel nicht unterzugehen.

In einer Zeit, in der die Welt von Unsicherheit geprägt ist, ist Dalios Analyse eine eindringliche Warnung. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Welt in der Lage ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und gemeinsam an einer stabileren und gerechteren Zukunft zu arbeiten. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob die Welt auf die bevorstehenden Umwälzungen vorbereitet ist. Das Problem: Aus seiner Sicht ist die Zeit des Handels begrenzt.

Auf LinkedIn hat er bereits im April 2024 erklärt, wieso er die aktuelle Weltwirtschaftslage für riskant und Gold für eine sinnvolle Investition hält.

Folgen Sie dem Autor auf X