Wie die Washington Post berichtet, zeigt ein internes Strategiepapier des US-Verteidigungsministeriums eine klare Neuausrichtung der militärischen Prioritäten: Taiwan steht im Zentrum der US-Verteidigungsstrategie, Europa rückt in den Hintergrund. Das als geheim eingestufte Dokument mit dem Titel "Interimsleitfaden der Nationalen Verteidigungsstrategie", unterzeichnet von Verteidigungsminister Pete Hegseth, wurde laut Bericht Mitte März im Ministerium verteilt.
Militärische Hilfe in Europa ist "unwahrscheinlich"
Darin heißt es, es sei „unwahrscheinlich“, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines russischen Angriffs wesentliche militärische Hilfe in Europa leisten würden. Stattdessen wird angestrebt, „die Nato-Verbündeten in Übersee darauf zu drängen, die Verteidigung ihrer Region selbst zu übernehmen“. Zwar garantiere man weiterhin nukleare Abschreckung gegen Russland, doch konventionelle Truppen würden nur dann verfügbar sein, wenn sie nicht für die Verteidigung der USA oder zur Abschreckung Chinas benötigt würden.
Verteidigung der Insel als „Kernaufgabe des US-Militärs“
Das Dokument beschreibt einen möglichen chinesischen Angriff auf Taiwan als die „größte Gefahr“ und bezeichnet die Verteidigung der Insel als „Kernaufgabe des US-Militärs“. Taiwan, das von China als abtrünnige Provinz betrachtet wird, gerät damit ins Zentrum der US-Militärstrategie.
Auch der Rückzug aus dem Nahen Osten wird in dem Leitfaden thematisiert. Die Washington Post schreibt, das Papier basiere zu großen Teilen auf dem konservativen Programm „Projekt 2025“ der Heritage Foundation. Einer der Autoren sei inzwischen in einer Schlüsselrolle im Pentagon tätig.
Ein Mitarbeiter des US-Kongresses bezeichnete den Inhalt des Strategiepapiers als widersprüchlich: „Es besteht eine Spannung zwischen: Wir wollen amerikanische Stärke und militärische Dominanz in der Welt, und wir wollen überall sein, aber auch nirgendwo.“