Wie Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen, erhalten Frauen mit knapp 1400 Euro brutto im Durchschnitt über 400 Euro weniger gesetzliche Rente als Männer. Deshalb sollten Frauen mehr privat vorsorgen, um im Alter gut leben zu können. „Viele Menschen unterschätzen, wie viel sie privat sparen müssen, um die Rentenlücke im Alter zu schließen“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. Die Rentenlücke (so rechnen Sie diese aus) ist die Differenz zwischen dem, was man zum Leben braucht, und dem, was die gesetzliche Rente bringt.
30-jährige Frau benötigt 840.000 Euro Vermögen
Berechnungen von Finanztip zeigen: Eine heute 30-jährige Frau mit einem Gehalt von 2700 Euro netto benötigt ab dem Renteneintritt mit 67 Jahren ein Vermögen von rund 840.000 Euro, um die gesamte Rentenlücke bis zum Lebensende schließen zu können. Dabei wird davon ausgegangen, dass zur Sicherung des Lebensunterhalts im Alter 80 Prozent des Bruttoeinkommens benötigt werden.
Die benötigte Summe ist damit um 20.000 Euro höher als das, was ein Mann zu diesem Zeitpunkt angespart haben sollte – entsprechend mehr privates Vermögen benötigen Frauen im Alter. „Wegen der höheren Lebenserwartung müsste eine 30-jährige Frau mit Durchschnittsverdienst jeden Monat rund zehn Euro mehr fürs Alter zurücklegen, um die Rentenlücke zu schließen“, sagt Sulilatu.
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Die Sorge ist groß: Mehr als jede dritte in der Finanztip-Umfrage befragte Frau geht davon aus, die Rentenlücke „eher schlecht“ bis „sehr schlecht“ schließen zu können (39 Prozent). Nur 23 Prozent der befragten Frauen sehen dafür „eher gute“ oder „sehr gute“ Chancen. Bei den Männern ist es fast umgekehrt: 42 Prozent sind zuversichtlich, was ihre Altersvorsorge angeht, 24 pessimistisch.
ETF-Sparplan: Flexible Vorsorge mit hoher Rendite
Wie können Frauen ihre Rentenlücke effektiv schließen? Simulationen von Finanztip zeigen, dass ein Sparplan auf einen weltweit streuenden Aktien-ETF eine besonders effiziente Möglichkeit ist, langfristig Vermögen aufzubauen. Anlegerinnen und Anleger können langfristig mit einer jährlichen Rendite von sechs Prozent rechnen.
Die 30-jährige Frau aus dem Beispiel müsste rund 430 Euro – etwa 16 Prozent ihres Nettogehalts – in einen ETF-Sparplan investieren, um bei Renteneintritt mit 67 Jahren über das nötige Kapital von rund 840.000 Euro* zu verfügen. Dies kann als monatliche Zusatzrente zur Schließung der Rentenlücke entnommen werden.
Betriebliche Altersvorsorge: Vorsorgen mit Arbeitgeberzuschuss
Auch eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) kann als ergänzende Strategie sinnvoll sein. Denn die Entgeltumwandlung, also die Geldanlage aus dem Brutto- statt aus dem Nettogehalt, ist steuer- und sozialabgabenbegünstigt. Vor Vertragsabschluss sind wichtige Faktoren zu prüfen: „Es kommt darauf an, ob der Chef mehr als den Mindestzuschuss des Arbeitgebers von 15 Prozent beisteuert und ob man wirklich langfristig im Unternehmen bleiben will“, sagt Sulilatu. Außerdem sollte der Vertrag nicht zu teuer sein und die bAV-Beiträge sollten renditestark angelegt werden.
Riester-Rente: Attraktiv für Mütter mit geringem Einkommen
„Riester-Verträge sind nur noch in seltenen Fällen sinnvoll. Für Frauen mit geringem Einkommen und mehreren Kindern kann sich ein Riester-Fondssparplan wegen der hohen staatlichen Zulagen lohnen“, so Sulilatu. Wer vier Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlt, erhält eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr plus 300 Euro pro Jahr für jedes nach 2008 geborene Kind. Bei zwei Kindern sind das zum Beispiel 775 Euro Zulage pro Jahr. Diese Zulage wird auf den zu zahlenden Riester-Beitrag angerechnet. Das führt dazu, dass für ein relativ hohes Riester-Guthaben nur geringe Eigenbeiträge gezahlt werden müssen.
Unterstützungsangebote nutzen
Wer beim Thema Altersvorsorge unsicher ist, kann Unterstützungsangebote nutzen. Dazu gehört die kostenlose Finanzberatung der Verbraucherzentralen. Finanztip empfiehlt zudem, regelmäßig die digitale Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung zu prüfen, in der neben der zu erwartenden gesetzlichen Rente auch die meisten betrieblichen und privaten Altersvorsorgeverträge eingesehen werden können.
*Den Berechnungen zugrunde liegt eine fiktive Person, die 30 Jahre alt ist, eine Lebenserwartung von 100 Jahren hat, 50.000 Euro brutto im Jahr verdient und zum Renteneintritt 80 Prozent ihres letzten Netto-Gehalts zur Verfügung haben möchte. Es wird von einer jährlichen Rentensteigerung von 1,7 Prozent ausgegangen, außerdem einer Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr. Die langfristige ETF-Rendite wird mit sechs Prozent pro Jahr vorsichtig veranschlagt. Die Lebenserwartung der Musterfälle wird variiert und orientiert sich an der Kohortensterbetafel 2023 des statistischen Bundesamtes. Wichtig für die Planung der Altersvorsorge: Fünf Prozent der heute 30-jährigen Frauen, die das 67. Lebensjahr erreichen, können erwarten, 100 Jahre alt zu werden, rund fünf Prozent der Männer über 98 Jahre.
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