Eine Vielzahl russischer Medien hat die Berichte über eine angebliche Wiederbelebung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 durch US-Investoren am Montag ausführlich aufgegriffen. Die meisten allerdings referierten lediglich die Veröffentlichungen von „Financial Times“ und „Bild“ und verzichteten auf eigene Analysen und Kommentare.
Sie zitieren vor allem Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Der Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte erklärt, die Urheber der Meldung hätten sie ja bereits selbst dementiert. Derzeit gebe es viele Informationen, die der Wahrheit nicht entsprächen. Er sehe deshalb keine Notwendigkeit, sie zu kommentieren.
Plan ohne Bedeutung wegen der EU-Sanktionen?
Die russische Ausgabe der „Moscow Times“ sieht die russischen Interessen an einem solchen Deal mehr als skeptisch: „Der Plan sichert den USA theoretisch eine beispiellose Kontrolle über die Lieferung von Energieressourcen nach Europa.“ Praktisch habe er jedoch wenig Bedeutung, weil es die EU-Sanktionen gebe.
Ähnlich schätzt es auch Igor Juschkow ein, Analyst der russischen Stiftung für Energiesicherheit, der auch den Kreml berät. „Selbst wenn die Europäer die Sanktionen lockern sollten, wird das nicht die Begrenzung für Kohlenwasserstoffe betreffen“, sagte er dem Portal „news.ru“.
"Für die USA ist es notwendig, Russland vom Weltmarkt für Gas fernzuhalten"
Auch ein Interesse der USA an einem solchen Geschäft vermag er nicht zu erkennen. „Unabhängig von einer gewünschten Annäherung an Russland ist es für die USA notwendig, Russland vom Weltmarkt für Gas fernzuhalten. Sie müssen den Markt klären für ihr Erdgas.“
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Juschkow verweist darauf, dass es in jüngster Zeit „eine Menge Gerüchte“ gebe, darunter die Meldung, ein US-Investor wolle die Pipeline kaufen oder die Pläne, die Trasse werde einen Anschluss in Finnland erhalten, um flüssigen Wasserstoff nach Deutschland zu transportieren. „Es gibt viele solche Erklärungen, die in sich nicht logisch sind“, sagt Juschkow.
Hinzu kommen für ihn Zweifel, dass der Putin-Vertraute und frühere Nord-Stream-Chef Matthias Warnig die Kontakte geknüpft haben soll. Der sei für die USA, die ihn seit 2022 mit Sanktionen belegt haben, eine „toxische Figur“.
Von Frank Herold
Das Original zu diesem Beitrag "Gerüchte um Wiederaufnahme von Nord Stream: Auch die Russen rätseln, was die USA vorhaben" stammt von Tagesspiegel.