Eine zweite kommerzielle US-Landefähre ist auf dem Mond aufgesetzt. Die etwa zwei Meter hohe und drei Meter breite "Blue Ghost" des Anbieters Firefly Aerospace landete erfolgreich im sogenannten "Mare Crisium", einer Tiefebene mit einem Durchmesser von etwa 500 Kilometern. Hier befindet sich der Lander im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Rund zwei Wochen lang soll er den Mond nun mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten untersuchen.
Das schwierige Vorhaben war in einem Livestream von Nasa und Firefly zu verfolgen. Mondlandungen gelten als technisch höchst anspruchsvoll, unter anderem, weil die Geschwindigkeit des Landers ohne die Hilfe einer dichten Atmosphäre drastisch verringert werden muss.
Zwei Navigationskameras an Bord wurden eingesetzt, um in der letzten Phase des Landeanflugs Gefahren auf der Mondoberfläche zu erkennen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. So halfen sie dem Raumfahrzeug, einen idealen Landeplatz anzusteuern. Vor drei Tagen veröffentlichte die Nasa bereits Aufnahmen der Mondoberfläche, die Blue Ghost im Tiefflug machte.
Aufprallsensoren an den vier Beinen des Raumfahrzeugs aus Kohlefaserverbundstoff lösten bei der Landung die Abschaltung des Triebwerks aus. Auch ein erstes Bild nach der Landung zeigte die Behörde bereits.
Zwei Solarpanels an der Seite und eines an der Oberseite werden den Lander und seine Forschungsinstrumente während der 14-tägigen Mission auf dem Mond mit Energie versorgen, bevor die eisige Mondnacht Temperaturen von bis zu minus 280 Grad Fahrenheit (minus 173 Grad Celsius) mit sich bringt.
Etwa die Hälfte aller Mondlandungen endete bisher mit einem Misserfolg. Laut Nasa steht "Blue Ghost" nach der Landung wie erhofft aufrecht auf dem Mond. Erst im Februar vergangenen Jahres war der US-Firma Intuitive Machines mit "Odysseus" die erste kommerzielle Landung der Raumfahrtgeschichte auf dem Mond gelungen. Damit war erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder ein US-Gerät auf dem Mond. Beim Aufsetzen kippte der unbemannte Lander allerdings um. Trotzdem konnte das Gerät noch Bilder schicken.
"Blue Ghost" startete mit zweitem Mondlander
Gestartet war "Blue Ghost" im Januar mithilfe einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX. Der Abflug erfolgte vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Auch die Mondlandefähre "Resilience" des japanischen Start-Ups ispace war mit an Bord der Rakete. Dieser Lander soll jedoch auf einer anderen Bahn zum Mond fliegen und dort erst in einigen Monaten ankommen.
"Blue Ghost" hat zahlreiche Materialien und Instrumente an Bord, mit denen er nun den Mond untersuchen soll. Unter anderem soll in die Oberfläche gebohrt werden, um Proben zu entnehmen.
Fortschritte bei GPS erhofft
Eine weitere Nutzlast soll Fortschritte für die weit verbreitete Navigationstechnologie Global Positioning System (GPS) bringen. Das Lunar GNSS Receiver Experiment (LuGRE) ist Teil einer Zusammenarbeit zwischen der NASA und der italienischen Weltraumbehörde. Damit sollen die Möglichkeiten von GPS und dem europäischen GNSS (Global Navigation Satellite System) erweitert werden.
LuGRE wird auch versuchen, GPS-Signale von der Mondoberfläche zu empfangen, was laut der NASA bis vor kurzem als unwahrscheinlich, wenn nicht gar unmöglich galt.
Nach rund zwei Wochen, also einem ganzen Tag auf dem Mond, wird am Landeort die Sonne untergehen. "Blue Ghost" soll Fotos dieses Schauspiels aufnehmen und Daten liefern, wie das lose Gestein auf dem Mond bei Dämmerung auf den Einfluss der Sonne reagiert.
Nasa will günstig Wissen sammeln
Die Mission namens "Ghost Riders in the Sky" (auf Deutsch etwa "Geisterreiter im Himmel") ist die erste Mondmission des Unternehmens Firefly Aerospace mit Sitz in Texas, das bisher vor allem Trägerraketen entwickelt hat. Sowohl "Blue Ghost" als auch der im vergangenen Jahr gelandete "Odysseus" sind Teil des Nasa-Programms CLPS (Commercial Lunar Payload Services).
Mit diesem Programm will die US-Raumfahrtbehörde auf ihrem eigenen Weg zurück zum Mond vergleichsweise günstig und effizient so viel Wissen sammeln wie möglich, indem sie Verträge für Mondlandungen an private Firmen vergibt und mit diesen zusammenarbeitet. Insgesamt sind für das CLPS-Programm bis 2028 rund 2,6 Milliarden Dollar (etwa 2,4 Milliarden Euro) veranschlagt.
Im vergangenen Jahr waren im Rahmen des CLPS-Programms bereits zwei Missionen gestartet. Im Januar hatte das Unternehmen Astrobotic mit Sitz in Pittsburgh die "Peregrine"-Kapsel losgeschickt. Schon kurz nach dem Start gab es jedoch Probleme aufgrund einer Störung des Antriebssystems. Das Ziel einer Mondlandung musste aufgegeben werden. Das Unternehmen Intuitive Machines, das mit "Odysseus" teilweise erfolgreich war, hatte in der vergangenen Woche einen zweiten Lander losgeschickt. "Athena" soll frühestens am Donnerstag auf dem Erdtrabanten aufsetzen.
Daten sollen das "Artemis"-Programm der Nasa unterstützen
Mithilfe der gesammelten Informationen will die Nasa ihr "Artemis"-Progamm voranbringen. Mit dem nach der griechischen Göttin des Mondes benannten Programm sollen erstmals eine Frau und eine nicht-weiße Person auf dem Mond landen. Ursprünglich war das bereits bis 2024 angesetzt, der Zeitplan hat sich aber schon mehrfach verschoben. Derzeit ist 2027 geplant - allerdings ist noch nicht klar, ob US-Präsident Donald Trump daran festhalten wird.
Zuletzt waren mit der "Apollo 17"-Mission vor mehr als 50 Jahren Menschen auf dem Mond. Die Landung erfolgte am 11. Dezember 1972. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den "Apollo"-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond. Konkurrenzdruck gibt es inzwischen von China, das bis 2030 Menschen auf den Mond bringen will. Unbemannt ist China bereits erfolgreich auf dem Mond gelandet, ebenso wie neben den USA noch Russland, Japan und Indien.