>Ein internationales Forschungsteam hat womöglich zum ersten Mal eine ferne Galaxie entdeckt, die aus der allerersten Sternengeneration des Universums besteht. Das geht aus einer Forschungsarbeit hervor, die beim Astrophysical Journal eingereicht wurde und vorab einsehbar ist. Darin werden zwei Kandidaten vorgestellt, wobei einer davon besonders vielversprechend sei. "Wenn man eine Galaxie aus Sternen der Population III in der Fabrik herstellen müsste, könnte man gar kein besseres Exemplar als GLIMPSE-16043 bauen", ordnet der Astronom Rohan Naidu gegenüber dem Wissenschaftsmagazin Science ein. Für den Fund wurden demnach hunderttausende Galaxien systematisch gesichtet.
Bislang nur Überreste gefunden
Als Population III wird jene erste Generation von Sternen bezeichnet, die nur aus den nach dem Urknall verfügbaren leichten Elementen Wasserstoff und Helium sowie den geringen Mengen an Lithium bestanden. Da sie bisher nicht beobachtet wurden, ist viel über ihren Aufbau und ihren Lebenszyklus nur theoretisch beschrieben. So nimmt man an, dass sie zehn- oder hundertmal massereicher waren als unsere Sonne und vergleichsweise rasch nach wenigen Millionen Jahren in gewaltigen Supernovae endeten. Erst dabei entstanden schwerere Elemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Magnesium und etwas Eisen, die die Grundlage für die nächste Sternenpopulation bildeten. Bislang wurden lediglich Überreste dieser Explosionen entdeckt.
Wie Science nun zusammenfasst, hat das Team um Seiji Fujimoto von der Universität von Texas für ihre Arbeit eine "schnelle und schmutzige" Suche nach bestimmten Merkmalen durchgeführt, die die gesuchten Galaxien auszeichnen sollten. Gefahndet haben sie dabei nach Galaxien, deren Spektrum eine deutliche Spur von Wasserstoff aufweist, in dem die Spur eines schwereren Elements wie Sauerstoff aber fehlt. Angewandt haben sie das auf einen kleinen Ausschnitt der Beobachtungsdaten des Weltraumteleskops James Webb. Die so entdeckte Galaxie GLIMPSE-16043 sehen wir demnach so, wie sie 850 Millionen Jahre nach dem Urknall aussah. Sie kommt demnach auf etwa 100.000 Sonnenmassen und ist gerade einmal fünf Millionen Jahre alt.
Noch handelt es sich bei GLIMPSE-16043 und der nicht ganz so vielversprechenden zweiten Galaxie JOF-21739 nur um Kandidaten. Ob sich die Vermutung bestätigt, soll bald durch weitere Beobachtungen mit dem hochmodernen Weltraumteleskop ermittelt werden. Das soll schon im Juni deutlich präzisere Spektraldaten sammeln. Sollten diese bestätigen, dass es sich um die erste Galaxie aus der allerersten Sternenpopulation handelt, könnte sie bei der Beantwortung wichtiger Fragen zur Frühgeschichte des Universums helfen. Etwa dazu, inwieweit sie dabei geholfen haben, das Universum durchsichtig zu machen.