>Ein Forschungsteam der Universität Bremen hat in einer Studie ermittelt, wann Menschen dazu neigen, einem Roboter ein Bewusstsein zuzuschreiben. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Roboter dazu menschenähnlich aussehen müssen. Insbesondere augenähnliche Strukturen sorgen dafür, dass Menschen Robotern mentale Zustände zuschreiben.
Da Roboter in der Zukunft auch als Helfer in der Pflege und privaten Haushalten eingesetzt werden sollen, ist es vorab wichtig, herauszufinden, wie die Roboter von Menschen wahrgenommen werden. Nur so ist es möglich, Roboter zu bauen, die vom Menschen in ihrer Umgebung auch akzeptiert werden. Je eher einem Roboter menschenähnliche Fähigkeiten wie etwa Bewusstsein oder Emotionen zugeschrieben werden, desto stärker werden sie als soziales Wesen angesehen und möglicherweise auch angenommen.
Wissenschaftler der Universität Bremen haben in der Studie "The Effect of Eyes on the Perception of Humanoid Robots’ Mind" (PDF), die im Preprint in SSRN erschienen ist, herausfinden wollen, ob Roboter mit Augen eher als Wesen mit einem Bewusstsein wahrgenommen werden als Roboter ohne Augen.
Augen spiegeln Bewusstsein wider
Die Wissenschaftler wählten Augen, weil Menschen diesen eine große Bedeutung hinsichtlich der Gefühle oder inneren Zustände zuschreiben. Deshalb wollten sie herausfinden, ob das auch auf Roboter zutrifft und die menschliche Wahrnehmung des Roboters beeinflusst. Konkret wollten die Forscher ermitteln, ob Menschen Robotern mit Augen eher ein Bewusstsein, menschenähnliche Gedanken oder Emotionen zuschreiben.
Dazu haben die Wissenschaftler zwei verschiedene Tests mit 200 beziehungsweise 100 Probanden durchgeführt. Grundlage für die Befragungen bildeten Bilder von verschiedenen humanoiden Robotern mit oder ohne Augen, die die Forscher mit der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) Imagine Art erstellt hatten. Im ersten Experiment wurden den Probanden die Bilder gezeigt und sie mussten danach vier Fragen beantworten, wie sie die darauf abgebildeten Roboter einschätzten. Die Fragen zielten darauf ab, ob sich der Roboter etwa selbst beherrschen, mit Bedacht handeln, Recht von Unrecht unterscheiden, Emotionen empfinden oder eine Persönlichkeit und ein Bewusstsein besitzen könne.
Beim zweiten Versuch nutzten die Forscher die gleichen Bilder. Die Wahrnehmungen der Probanden wurden dieses Mal mithilfe des Impliziten Assoziationstests (IAT) ermittelt. In diesem Test müssen die Studienteilnehmer zu einem gesehenen Bild schnell eine Assoziation herstellen. Die Forscher konnten so die unbewusste Einstellung des Menschen zu den abgebildeten Robotern feststellen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Robotern mit Augen im Gesicht, menschenähnliche geistige Fähigkeiten zugeschrieben werden. Menschen denken eher, dass er ein bewusstes Wesen ist und zusätzlich Emotionen empfinden kann.
Die Forscher sehen in ihrer Studie Potenzial für weitreichendere Forschungen. So könnte etwa untersucht werden, welche möglichen psychologischen und ethischen Auswirkungen es haben könnte, dass Menschen annehmen, dass ein Roboter einen Verstand hat.