Gesetzliche Rentenversicherung: Heul leise, Naddel! Warum es völlig ok ist, wenn Promis kleine Renten kriegen

Blitzlicht. Glamour. Dschungelcamp. Altersarmut. 

Blöd. 

Nadja Abd el Farrag, Ex-Freundin von Pop-Titan Dieter Bohlen, später dann Dschungelcamp-Bewohnerin, hat sich eingereiht in eine lange Liste von Promis, die mit zunehmendem Alter feststellen, dass die Gesetzliche Rentenversicherung kein Rettungsnetz für jeden ist. „Meine Zukunft sieht nicht rosig aus. Ich bekomme gerade mal 200 Euro Rente", klagte die 59-Jährige in einem Interview mit der Zeitschrift "Freizeit Vergnügen". 

Dass "Naddels" Finanzen vieler TV-Auftritte zum Trotz nicht gerade rosig sind, weiß Deutschland spätestens seit ihren beide Folgen der TV-Show „Raus aus den Schulden“ mit dem inzwischen verstorbenen Schuldnerberater Peter Zwegat. Der Finanzexperte zeigte sich damals schockiert von ihrem Umgang mit Geld und Naddel lernte nicht dazu: „Solange was auf dem Konto drauf ist, genieße ich es. Leiden kann ich ja später immer noch“, sagte sie noch 2023 „Bild.de“. 

Fame ist keine Altersvorsorge

Nun also 200 Euro auf der Renteninformation und keine Rücklagen. Und damit ist sie nicht allein. Berühmt sein ist nun mal keine Altersvorsorge. Zu den Promis, die sich in den vergangenen Jahren über ihre niedrige Rente beklagt haben, gehören Showgrößen wie Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Jan Böhmermann oder Cora Schumacher und Natascha Ochsenknecht.

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Oft klingt eines mit, wenn Promis über ihre gesetzliche Rente reden: Überraschung. 40 Jahre gearbeitet und dann zahlt der Staat nichts? Das kann doch nicht sein. 

Doch. Kann es. Und das ist auch gut so. Denn wer nicht einzahlt, hat keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente. Warum sollte er auch? 

Schauspieler und Show-Sternchen sind dabei ein Spezialfall. Wer wie sie keinen Arbeitgeber hat, kann bis heute wählen, ob er in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen möchte oder nicht. Wem das zu teuer ist, dem stehen die Versorgungswerke der einzelnen Zünfte offen, z.B. die Künstlersozialkasse. Auch hier lässt sich für den Ruhestand vorsorgen. 

Angestellte machen diesen Denkfehler

Viel schlimmer und gar nicht mal selten ist ein zweiter, von der Politik nur selten adressierter Denkfehler: Wenn ich 40 Jahre eingezahlt habe, habe ich auch Anspruch auf eine Rente, von der ich mir einen schönen Ruhestand leisten kann. Gerade erst wieder adressiert von TV-Darstellerin Katerina Jacob (66), die sich in einem Interview über ihren Rentenanspruch beklagt hatte.

Aber gesetzliche Rente und Lebenshaltungskosten sind nun mal zwei Paar Schuhe und nur weil Politiker gerne davon reden, dass man von seiner gesetzlichen Rente wieder leben können muss, reformiert sich davon das System nicht, das auf Umverteilung basiert.

System ist System

Es gilt und daran hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert: Nur was eingezahlt wird, kann ausgegeben werden und zwar postwendend. Die Rentenversicherung spart nicht, legt nicht groß an. Das was sie einnimmt, zahlt sie aus. Und wenn immer mehr Rentner immer weniger Arbeitnehmern gegenüber stehen, dann kann die Rente gar nicht allein zum Leben reichen. Schon heute bezuschusst der Staat die gesetzliche Rente mit zig Milliarden jedes Jahr, um überhaupt das aktuelle Rentenniveau zu halten. 

Ob jetzt Promis oder Politiker auf die Tränendrüse drücken: Beides ist gleich unehrlich. 

Ehrlich wäre zu sagen: 

  • Wer 40 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, bekommt etwa die Hälfte von dem, was er lebenslang im Schnitt verdient hat, als Rente raus.
  • Diese Hälfte reicht mit ein bisschen Glück für die Miete einer mittelgroßen Wohnung.
  • Wer mehr will, muss selbst was zur Seite legen. 

Warum überrascht das noch? Seit Ende der 90er Jahre geht es mit dem Rentenniveau stetig bergab und dazu muss die Rente immer stärker versteuert werden. Es ist also nicht so, als hätten Bald-Rentner heute nicht zwischen 20 und 30 Jahren Zeit gehabt, sich auf ihren Ruhestand vorzubereiten. 

Mini-Rente leicht erklärt

Wer gar nicht einzahlt, bekommt auch nichts raus - so einfach ist das. Dass viele Promis um die 200 Euro Rente bekommen, liegt vermutlich daran, dass sie meist nicht sofort mit ihrer Karriere durchstarten. Und wenn sie vor ihrem Durchbruch mindestens fünf Jahre eingezahlt haben, bekommen sie später auch was raus. Nur eben nicht besonders viel. 

Dann mit Anfang 60 Krokodilstränen zu vergießen, ist unsolidarisch gegenüber den Jüngeren. Da soll die Solidargemeinschaft aufkommen für ein persönliches Versäumnis. 

Es gibt zum Glück auch positive Promibeispiele, auch wenn die längst nicht so viel Reichweite bekommen. So freute sich Comedian Mike Krüger in einem Interview mit Barbara Schöneberger: „Ich kriege den Höchstsatz an Rente im Gegensatz zu vielen Kollegen von mir.“ Seine Frau Birgit, de seit Beginn seiner Karriere seine Büroarbeit manage, habe damals die Vorsorge aufgebaut:  „Weil meine Frau damals schon lange wusste, dass es die Künstlersozialkasse gibt, wo viele Künstler vergessen haben, dass man sich da anmelden muss“, sagte der 73-Jährige. Für ihn habe sich die Vorsorge ausgezahlt: „Ich zahle natürlich schon von Anfang an, seit ich arbeite, den Höchstsatz ein. Deshalb kriege ich jetzt auch den Höchstsatz zurückgezahlt. Das zahlt sich im Alter unglaublich aus. Du kriegst dann plötzlich richtig viel Rente.“