Dänen machen um 16 Uhr Feierabend: Was wir von ihrem Job-Modell lernen können

Dänemark setzt auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Während viele Arbeitnehmer in Deutschland oft bis spät arbeiten, verlassen dänische Angestellte häufig schon um 16 Uhr ihr Büro. Dennoch bleibt die Produktivität hoch. Warum funktioniert das Modell? Stern-Autor Rune Weichert hat das dänische Modell ausprobiert und teilt seine Erfahrungen.

Ein anderes Verständnis von Produktivität

In Dänemark beginnt der Arbeitstag oft um 9 Uhr, endet aber in vielen Berufen bereits um 16 Uhr. Längere Arbeitszeiten sind unüblich, außer im Schichtbetrieb. Laut Weichert liegt die reguläre Wochenarbeitszeit in Dänemark bei 37 Stunden – drei Stunden weniger als in Deutschland. Trotz kürzerer Arbeitszeiten bleibt die Wirtschaftsleistung jedoch stabil.

Ein entscheidender Punkt ist die Arbeitsproduktivität, also die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen pro Arbeitsstunde. Dort liegt Dänemark im europäischen Vergleich weit vorn. Während in Deutschland die Produktivität pro Arbeitsstunde in den letzten Jahren stagnierte, schafft es Dänemark, seinen Output hochzuhalten. Eine kürzere Mittagspause und effiziente Arbeitsprozesse tragen dazu bei.

Auch die Arbeitsorganisation unterscheidet sich. Statt langer Präsenzzeiten konzentrieren sich dänische Unternehmen auf messbare Ergebnisse. In vielen Firmen gibt es keine strikten Vorgaben zur Anwesenheit, solange die Arbeit erledigt wird.

Mehr aus dem Bereich Wirtschafts-News

Reiche haben ein schlechtes Image – aber Deutschland braucht mehr Milliardäre
Sonntag, 16.03.2025 | 22:41
Deutscher Börsenchef: „4000 Euro für jedes Kind, und das Rentenproblem ist gelöst“
Sonntag, 16.03.2025 | 16:56
Kennen Sie den Leiterbeauftragten? Gigantische Bürokratiewelle erfasst Firmen
Sonntag, 16.03.2025 | 11:41
EZB senkt Zinsen erneut! Was das für Sparkonten und Kredite bedeutet
Sonntag, 16.03.2025 | 11:36
Gartengeräte-Hersteller Remarc meldet Insolvenz an
Sonntag, 16.03.2025 | 08:41
Deutschland kann 100 Milliarden Euro sparen – die Maßnahmen sind aber unbequem
Samstag, 15.03.2025 | 17:15
Der reichste Mann Asiens verbündet sich mit Elon Musk
Samstag, 15.03.2025 | 11:33
Wer gewinnt beim Handelskrieg zwischen USA und Europa?
Samstag, 15.03.2025 | 11:02
Weniger Lohn bei Krankheit? Experten warnen – was Sie wissen müssen
Samstag, 15.03.2025 | 09:45
Man muss den Grünen dankbar sein – trotzdem bleibt bitterer Beigeschmack
Samstag, 15.03.2025 | 09:38

Meistgelesene Artikel der Woche

"Dachte, es sei ein Witz": Bewerber beendet nach der ersten Frage Vorstellungsgespräch
Samstag, 15.03.2025 | 19:18
Ab diesem Alter gelten Sie als "alt"
Samstag, 15.03.2025 | 06:51
Joker gibt absichtlich falsche Antwort – dann steht plötzlich Günther Jauch vor ihm
Dienstag, 11.03.2025 | 18:20
Jeder sieht den Baum – doch nur wenige den Leoparden
Samstag, 08.03.2025 | 19:30
Darum sollten Sie immer eine PIN auf Ihre Bankkarte schreiben
Dienstag, 11.03.2025 | 11:23
Zukunft des Heizungsgesetzes: Immo-Besitzer aufgepasst: Merz wird Habecks Heizhammer nicht los - aus einem Grund
Freitag, 14.03.2025 | 10:02

Flexibilität fördert Motivation und Effizienz

Flexible Arbeitszeiten sind ein wesentlicher Faktor für die hohe Produktivität. Die dänische Arbeitswelt hat bereits frühzeitig auf Homeoffice und Gleitzeitmodelle gesetzt. Viele Angestellte arbeiten abends oder am Wochenende einige Stunden, um ihre Tagesstruktur an individuelle Bedürfnisse anzupassen.

Die Soziologin Janne Gleerup von der Universität Roskilde erklärt, dass eine bessere Koordination von Berufs- und Privatleben essenziell für langfristige Produktivität sei:

Zwischen 16 und 20 Uhr passieren in den Familien viele wichtige Dinge. Das ist die Zeit, in der Eltern ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen können, in der sie einen guten Tagesablauf organisieren können, in der sich die Kinder wohlfühlen und in der die Eltern präsent sein können.

Weniger Stress, mehr Zufriedenheit

Laut Studien haben zu lange Arbeitszeiten negative Auswirkungen auf die Produktivität. Ständige Überstunden führen zu Konzentrationsproblemen, häufigeren Fehlern und steigenden Krankenständen. Unternehmen in Dänemark setzen gezielt auf Stressvermeidung, um langfristig von motivierten Mitarbeitern zu profitieren.

Gleerup erläutert, dass überlange Arbeitstage das Risiko für psychische und physische Belastungen erhöhen, wodurch wiederum die Produktivität sinkt. Es brauche also den optimalen Punkt zwischen Produktivität und Nachhaltigkeit.

Eine hohe Produktivität ermöglicht es Firmen, den Mitarbeitern auch ein bisschen Freizeit zu geben, weil man die Ziele erreicht, die man erreichen muss.

Durch die richtige Balance aus Freizeit und Arbeitszeit bleibt die Motivation hoch. Das hat wirtschaftliche Vorteile und verbessert zugleich die Lebensqualität der Arbeitnehmer. Weichert ist sich auf jeden Fall sicher: Ein Umdenken in Richtung Effizienz und Flexibilität könnte auch in Deutschland positive Effekte haben.

Von Odysseas Grigoriadis

Das Original zu diesem Beitrag "Weniger arbeiten, mehr leisten: Dänemark zeigt, wie Produktivität wirklich geht" stammt von Smart Up News.